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Kriegerische Nachbarschaft? Wie der Krieg den deutsch-polnischen Dialog prägt

Inhalt

Dieser Tage scheint der Krieg allgegenwärtig zu sein. Auch in den deutschpolnischen Beziehungen. Kaum ein Tag, an dem kein Presseartikel erscheint oder keine Politikerin, kein Politiker sich zu den deutsch-polnischen Beziehungen äußert, ohne sich auf die eine oder andere Weise auf das Thema Krieg zu beziehen. Man könnte, zugespitzt formuliert, von einer zunehmenden Bellizisierung der deutsch-polnischen Beziehungen sprechen, verstanden als kommunikative Rahmung dieser Beziehungen in der Sprache des Krieges.

Dieser Gebrauch einer kriegerischen Sprache kann auf verschiedenen Ebenen analysiert werden. Die erste ist der Einfluss, den die Kriegserfahrungen auf die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen gehabt haben. Die Kriegsrhetorik hatte in der Vergangenheit in den beiden Gesellschaften eine unterschiedliche Bedeutung, was sich auch ganz konkret auf die heutige Kommunikation auswirkt. Polen und seine Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg sind von der deutschen Gesellschaft nicht verinnerlicht worden. Die zweite Ebene ist der Gebrauch der Kriegsmetaphorik in den Beziehungen beider Staaten bei Themenfeldern, die vordergründig keinerlei Verbindung zum Thema Krieg aufweisen. Drittens hat die Kriegsthematik nach dem 24. Februar 2022 eine ganz neue Ebene erreicht, als sie zu einer realen Erfahrung der europäischen Nachbarn wurde – vor allem natürlich der Ukrainer, aber eben auch der Polen, als im Herbst zwei polnische Staatsbürger durch eine abstürzende Rakete getötet wurden. Und schließlich viertens hat es in den bilateralen Beziehungen in den vergangenen 25 Jahren auch „Medienkriege“ gegeben, die von Journalisten oder Politikern ausgelöst und mit unterschiedlicher Intensität von Medien auf beiden Seiten der Grenze geführt wurden. Die folgenden Ausführungen sind von einer Hauptthese geleitet: Polen befindet sich – auf der Ebene der Emotionen und der Kommunikation – im Krieg, Deutschland nicht. Und, daraus folgend: Polen will den Krieg gewinnen, Deutschland den Frieden nicht verlieren. Aus dieser Konstellation heraus, so unser Argument, lassen sich viele der derzeitigen Verwerfungen in den deutsch-polnischen Beziehungen besser einordnen und werden verständlicher.

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Informationen über die polnische Version der Publikation

Der Text entstand im Rahmen des Projekts „Akteure, Felder, Wege – deutsch-polnische Kommunikation: Miteinander und übereinander”, welches das Institut für Öffentliche Angelegenheiten und das Deutsche Polen-Institut dank der finanziellen Förderung durch die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung durchführen.